Louis Ferdinand Prinz von Preußen

Friedrichsfelder Prinzen-Rolle   Hinweis

Wir wollen an Louis Ferdinand Prinz von Preußen und seinen 200. Todestag erinnern. Im vergangenen Jahr stand an dieser Stelle ein kurzer Überblick über die Geschichte von Schloss und Park Friedrichsfelde, einem historischen und architektonischen Kleinod. Nun soll hier über einen seiner prominentesten Bewohner berichtet werden: Prinz Ludwig Friedrich Christian von Preußen, meist Louis Ferdinand genannt. Er war musikalisch überaus begabt. Ludwig van Beethoven schätzte den Prinzen sehr und widmete ihm sein 3. Klavierkonzert in c-Moll.

Mit dem Ende des Siebenjährigen Krieges und sich dem daran anschließenden Hubertusburger Frieden erwarb der jüngste Bruder Friedrichs des Großen, Prinz Ferdinand August von Preußen, 1763 das Schloss Friedrichsfelde. Er war mit der Prinzessin Anna Elisabeth Luise von Brandenburg-Schwedt vermählt. Nachdem die ersten Kinder des Paares bereits früh gestorben waren, wurde ihnen am 14. Mai 1770 die Prinzessin Luise und am 18. November 1772 Prinz Ludwig geboren. Dieser wurde am 28. November 1772 wohl in der heute noch vorhandenen Kirche von Friedrichsfelde (der Bestand einer Schlosskirche ist nicht überliefert) getauft. Als Taufzeuge stand Friedrich der Große am Taufbecken. Im folgenden Jahr, als der Kronprinz Friedrich Wilhelm seinen zweiten Sohn ebenfalls Ludwig taufen ließ, erhielt Louis zum Unterschied noch den Namen seines Vaters - und Louis Ferdinand wurde zunächst bei Hofe, dann auch in Allgemeinheit der Name, den der Prinz in der Geschichte und für die Nachwelt behalten sollte.

Wie Friedrich Nicolai in seiner "Beschreibung über die Königliche Residenzstadt Berlin" von 1785 berichtet, hatte der Vater, Prinz Ferdinand, den Palast und den weitläufigen Garten umfassend verschönern lassen. Der Prinz verlebte mit seiner Schwester und seinem 1779 geborenen Bruder Prinz August eine fröhliche und unbeschwerte Kindheit im Schloss und im Park Friedrichsfelde. Oft gesellte sich zu ihnen auch Verwandtschaft aus der königlichen Familie. Prinzessin Luise bezeichnete die Tage in Friedrichsfelde als die schönsten ihres Lebens. Die kalte Jahreszeit und die Weihnachtszeit verbrachte die Familie im Schloss zu Berlin.

Prinz Louis Ferdinand zeichnete sich bereits in seiner Jugend durch hohe Wissbegierde und Lebhaftigkeit aus. Betreuung und Ausbildung der Brüder wurde Herrn Bärbaum als Gouverneur (Betreuer und Erzieher) übertragen, einem redlichen, guten, frommen Mann, der durchaus befähigt war, diese Kindheit zu leiten. Friedrich der Große, der kinderlos geblieben war, besuchte die Familie des Prinzen mehrmals in Friedrichsfelde. Es wird von einer eindrucksvollen Güte, die er den Kindern entgegenbrachte, berichtet. Er hätte den Prinzen Louis Ferdinand oft wegen seiner Geistesgegenwärtigkeit und Tapferkeit gelobt.

Als der Prinz sein schulfähiges Alter erreichte, berief sein Vater einen Lehrer für ihn, den Professor Großheim. Dieser unterrichtete (gelegentlich auch Schwester Luise) in Geschichte, Geographie, Mathematik, deutscher Grammatik, Naturgeschichte und Moral. Regelmäßig fand nachmittags eine Teestunde statt, nach welcher die Mutter mit den Kindern einen Parkspaziergang machte. Abends ging der Vater dann häufig mit den Kindern durch die Felder oder in das Dorf Friedrichsfelde spazieren. Im Herbst traten dann Spiele und Vorlesungen an die Stelle dieser Spaziergänge und auch musikalische Vorführungen im Konzertzimmer des Schlosses Friedrichfelde.

Hier zeichnete sich Prinz Louis durch eine besondere musikalische Begabung und sein großes Interesse am Klavierspiel aus, dass ihn später zu eigenen Kompositionen befähigen sollte.

Als im Winter 1784/1785 Prinz August Ferdinand an einem schweren Brustleiden erkrankte, erschien Friedrich der Große wieder einmal zu Besuch auf Schloss Friedrichsfelde, anlässlich welchem er wieder großes Interesse an der Entwicklung des Prinzen Louis Ferdinand zum Ausdruck brachte. Es wird berichtet, dass er sich oft wünschte, eine Persönlichkeit wie Louis Ferdinand würde seine Nachfolge antreten, was allerdings durch die Thronfolge aufgrund der Erbfolge ausgeschlossen war. Im Frühjahr 1785 hielt Friedrich der Große die letzte seiner Paraden ab. Louis Ferdinand und seine Geschwister, nun schon Jugendliche, durften dieser beiwohnen. Prinzessin Luise berichtete dazu: "Ich sehe ihn (den König) noch auf seinem Schimmel, den Blick auf die Soldaten und die ganze an ihm vorüberziehende Armee geheftet, alle Augen hingen aber an ihm allein, der das Interesse aller auf sich zog."

Den Sommer 1785 verbrachten Louis Ferdinand und seine Familie noch in Friedrichsfelde. Im Dezember nahmen sie für immer Abschied von diesem geliebten Anwesen und gingen in die Berliner Mitte, wo sie das Schloss Bellevue übernahmen.

Im Frühjahr des Jahres 1789 trat Louis Ferdinand (Bild links) in den Militärdienst ein (Infanterie-Regiment Möllendorf). Am 5. Oktober 1789 starb sein Bruder Heinrich, was ihn zu seiner Familie zurückrief.

Zwischenzeitlich war in Frankreich die Revolution ausgebrochen. Auch in dieser Zeit wird Louis Ferdinand als eine geniale Natur beschrieben, kräftig veranlagt, manchmal etwas unbeständig und unüberlegt handelnd. In den französischen Revolutionskriegen folgt er 1792 dem preußischen Heer an den Rhein, nahm erfolgreich an Schlachten und Gefechten teil, wofür er zum Generalmajor befördert wurde. 1796 wurde er zum Schutz der mit Frankreich vereinbarten Demarkationslinie nach Westfalen kommandiert. 1799 stieg er zum Generalleutnant auf.

Seine häufige Anwesenheit in Hamburg, wo er mit französischen Emigranten in Verbindung trat, veranlasste 1800 seine Rückberufung nach Magdeburg, wo er sich den künstlerischen, namentlich den musikalischen sowie auch den militärischen Studien widmete. Bald darauf kam er zurück nach Berlin, wo er sich den Vertretern der Kriegspartei gegen Napoleon (bei völliger Fehleinschätzung das Kräfteverhältnisses und der Stärke der preußischen Armee) anschloss.

Schlacht 1806 bei Saalfeld

Nach Ausbruch des Krieges gegen Napoleon erhielt er 1806 den Befehl über die 8.000 Mann starke Vorhut der preußischen Armee. Als er mit dieser den Thüringer Wald überqueren wollte, traten ihm am 10. Oktober bei Saalfeld überlegene Kräfte entgegen. Er nahm, an der Spitze eines sächsischen Husarenregiments, den Kampf mit der napoleonischen Armee auf, der mit der fast gänzlichen Vernichtung seines Korps endete. Er fiel nach tapferer Gegenwehr im Handgemenge nahe Wölsdorf bei Saalfeld (rechtes Bild).

Aufbarung des Prinzen

Louis Ferdinand wurde am 10. Oktober 1806 zunächst im Schloss der Herzöge von Sachsen-Coburg zu Saalfeld aufgebahrt (linkes Bild) und dann beigesetzt.

Erst am 20. März 1811 wurden die sterblichen Überresten in die Gruft der Hohenzollern im Berliner Dom überführt, wo der Sarg des Prinzen mit Krone noch heute in Augenschein genommen werden kann. Ein Denkmal wurde später durch seine inzwischen zur Fürstin Radziviel verheiratete Schwester in Wölsdorf errichtet.

Möge das Schloss Friedrichsfelde auch als Erinnerungsort an Prinz Louis Ferdinand von Preußen der Öffentlichkeit uneingeschränkt zugänglich bleiben. Dazu ist es erforderlich, den Zwang für Schlossbesucher, den hohen Tierparkeintrittspreis mit entrichten zu müssen, aufzuheben. Alle Verantwortlichen, insbesondere der Tierparkdirektor Blaszkiewitz, werden deshalb gebeten, ihre diesbezüglichen Positionen nochmal zu überdenken.

Autor: Jörg Stürtz, Fördervereinsmitglied

Hinweis Herrn Jörg Stürtz vielen Dank für diesen Beitrag, dessen Erstveröffentlichung im KIEZ.Magazin Karlshorst/ Fridrichsfelde 2006 erfolgte.

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www.berlin-friedrichsfelde.info   Seitenanfang   01.07.2006