Anfang >>> Hip oder Hop » Berliner Wörter von A bis Z
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D
dabehalten bei sich behalten. »Soll ick den Köter dabehalten?«
Dach jemandem »ufft Dach steigen«, jemanden bestrafen. Auch Androhung von Schlägen: »Paß uff, krist gleich wat ufft Dach«.
Dachpappe Klopapier.
Dachrinne »Der is so lang, daß er aus de Dachrinne saufen kann.«
Dachstübchen Kopf. »Der tickt ja nich richtig im Dachstübchen.«
Däderädä Lautwort für DDR.
Daffke (jidd. dawko = gewiß, durchaus) etwas »aus Daffke machen«, etwas aus Eigensinn oder Trotz tun bzw. nicht tun. »Aus reinem Daffke bin ick nich mitjekomm.«
dahkig finster (engl. dark).
Dalldorf So wurde früher der Ortsteil Wittenau bezeichnet, weil sich dort eine »Irrenanstalt« befand. »Der jehört nach Dalldorf.« »Der is aus Dalldorf entsprungen.«
Dalles (jidd. dallus Armut) Geldmangel.
dalli (poln. dalej) flink, vorwärts. »Nu mach mal n bißchen dalli!«, nun beeil dich mal.
Damendiesel Parfum.
dämlich (nd.) dumm. Ein Dummkopf wird als Däm(e)lack (slw. Endung -ack) oder Dämelsack bezeichnet. Für jemanden, der ausgesprochen dumm ist, heißt es: »Der Kerl is mitm Dämelsack jepudert.«
Damm 1. »uffn Damm sein«, gesund sein. »Bleib uffn Damm!« = »Bleib gesund!« oder auch »Bleib ruhig!« 2. Fahrbahn im Gegensatz zum Fußweg.
Dampf 1. »Ick werd mal n bißchen Dampf dahinter machen.«, ich werde etwas beschleunigen. 2. »Nu laß mal Dampf ab.«, nun beruhig dich mal. 3. Jemandem »Dampf untern Hintern machen«, ihn veranlassen, eine Tätigkeit schneller auszuführen.
Dampfschornstein im 19. Jh. für Zylinderhut.
dancen tanzen. Heute wohl jugsprl. Anglizismus, aber auch bereits im 19. Jh. belegt und über die nd. Aussprache des anlautenden t zu erklären.
danke gut. »Und sonst jehts danke?«
davor wie hochdeutsch dafür.
d.b.d.d.h.k.P. »Doof bleibt doof, da helfen keene Pillen.«
Deckel im 19. Jh. für Zylinderhut, heute allgemein für Hut. Drohend: »Krist gleich eens uffn Deckel.«
Deez (frz. tête) Kopf. Taucht häufig in Form einer Drohung auf: »Dir hau ick eens uffn Deez, daß de aus de Rippen kiekst wien Affe durcht Jitter.«
Deibel (nd.) Teufel. In vielen Redewendungen: »Den Deibel nochmal!«, »Dit is n Deibel!«, »Da kommste in Deibels Küche.«, etc.
Demse stickige, drückende Luft. Aus dem Obs. nach 1945.
Denkste »Denkste!«, da hast du falsch gedacht (zurückweisende Antwort). Verschleifung von »Denkst du!« Auch: »Dit is n typischer Fall von Denkste.«, ein typischer Fall dafür, daß sich jemand geirrt hat.
Denkmurmel Kopf.
Destille früher für Kneipe. Abgeleitet von der Destillationsanstalt. Ein geflügeltes Wort, als Zille noch sein Stammlokal »Zur quietschvergnügten Drehorgel« besuchte: »Ejal, wo der Berliner mit eenem Oooge hinkiekt - mits andre kiekta inne Destille.«
dicht »Dicht daneben is ooch vorbei.« Spöttischer Kommentar für eine nicht gelungene Handlung.
dick(e) haben etwas satt haben, von etwas genug haben, einer Sache überdrüssig sein. »Dit hab ick jetz endgültig dicke!«
Dickus Spöttische Anrede für einen dicken Schüler.
Dickkopp Mensch, der mit dem Kopf durch die Wand will, d.h., der starrköpfig ist und nicht von seinem Willen abweicht.
Dienstbolzen Dienstmädchen, Dienstbote.
Diensteid trinken. »Eenen uffn Diensteid nehmen.«
Dienstpote Dienstbote. Wortspiel, das sich vermutlich aus »Dienstpfote« mit nd. gesprochenem p ableitet.
dieselig schwindelig.
direkt geradezu, wirklich. »Dit is direkt schade.«
direkt(e)mang wie Ø direkt.
Direx schulspl. für Direktor.
Dividendenjauche helles Bier. Um im Jahre 1870 an der Börse Gewinne zu machen, erhöhte man die Dividende, was zu einem sog. Aktienbier führte, einem Bier minderer Qualität.
Docht »auf den Docht jehn«, auf die Nerven gehen.
Dohle früher Zylinderhut, heute allgemein für Hut.
doktern sich mit etwas intensiv beschäftigen, aber mit leicht negativem Beigeschmack. »Der muß immer war herumdoktern.! = »Der hat immer etwas zu tun.«
Dollar »einen harten Dollar schütten«, bezahlen.
Dollarbrägen Draufgänger.
Donnerlittch, Donnerlitken Ausruf des Erstaunens. Die Endung -littchen ist eine Variante zu Lüchtig = Blitz.
doof (nd. taub) dumm. Seit Anfang des 20. Jhs. von Berlin aus im deutschen Sprachraum verbreitet. Es existieren zahlreiche Komposita, in der Regel Schimpfworte: Doofkopp, doowe Nuß, doowe Sau, Dowie, Doowietz, etc. Ø auch d.b.d.d.h.k.P.
doppelt Ein weißer Schimmel ist sozusagen »doppelt jemoppelt«. Aber beim Trinken gilt: »Uff een Been kann man nich stehen, doppelt hält besser.«
Dösel Dummkopf.
dösig benommen, schläfrig. Als Verb döseln, langsam arbeiten. Dösel oder Döskopp steht für Dummkopf.
Draht »uff Draht sein«, tüchtig, clever sein.
Drahthexe Beschimpfung einer Frau.
drall derb, fest. Ablautend zu drillen = drehen. Bezug auf eine Frau: »Die hatn Drall!«, sie hat eine gute Figur oder sie ist sehr mollig.
Draufgeld Bei Glaßbrenner als Unterpfand für einen abgeschlossenen Handel.
Dreck starke Ablehnung für sehr wenig, gar nichts. Glaßbrenner: »Da hat mir der Staat en Dreck zu sagen.« Oder: »Da kümmer ick ma n Dreck drum.«
Dreckbuddel 1. Person, die im Dreck buddelt, im Schmutz wühlt; von daher auch für Putzfrau. 2. allgemein für jemanden, der schmutzig ist.
Dreckliese schmutziges Kind oder erwachsene Person.
Dreckpatsche im 19. Jh. für Infanterieoffizier.
Dreckschleuder Bezeichnung für jemanden, der sich gern übler Nachrede ergibt. Früher auch für Baggermaschine.
Dreckschwalbe früher umgs. für Maurer, heute als Schimpfwort für Frau.
Drehbücher Toilettenpapier-Rollen.
Drehhahnbräu für ein Glas Leitungswasser bei Tisch.
drehen »Dit wern wa schon drehen.«, hinkriegen, eine Sache schon machen.
dreidoppelt dreifach.
Dreikäsehoch kleiner Junge.
dreist 1. wirklich, 2. frech, 3. zuversichtlich und 4. unverschämt. »Laß den man dreist kommen.«, laß ihn mal ruhig kommen. »Dit is ja wirklich dreist von dem.«, unverschämt.
Dremmel 1. Furcht. 2. Drang. Jemand, »der n Dremmel hat«, muß dringend aufs Klo. Abgeleitet von dremmeln = drängen.
Dresche Prügel, Schläge. Substantivierung von Getreide dreschen.
drippeln tröpfeln, leicht regnen. Wenn es aus dem Wasserhahn tropft, heißt es drippen.
dröhnen jemanden ein paar knallen.
Dröhnung haben betrunken sein. Von umgs. dröhnen = sich betrinken, im Rausch sein.
drömmeln gehen zur Toilette gehen. Ø Dremmel.
drucksen mühsam herausbringen. Intensivbildung zu drucken = drücken. Auch herumdrucksen = nicht die Wahrheit sagen wollen.
Drückeberger jemand, der die Arbeit scheut, im 19. Jh. für jemand, der sich verkriecht.
drum rumkommen davonkommen. »Da sind wa ja nochmal drum rumjekomm.«
druselig (nordd.) schläfrig, müde. Als Verb drusseln oder auch eindrusseln, gesprochen mit stimmhaftem s.
Düsenklipper Flugzeug.
dufte (jidd. toffte) großartig, prima. Wird heute gebraucht für die früheren Bezeichnungen Ø knorke und Ø schnafte.
duhn 1. betrunken. 2. völlig geschafft. Nd. Ursprungs, eigentlich »aufgeschwollen« zu dehnen und dunsen.
dulli dulli besonders gut.
dumm (mnd. dum = unerfahren, einfältig) Wird in zahlreichen Wendungen gebraucht. Weniger böse gemeint als es scheint: »Sie sind ja nich so dumm wie Se aussehn.« »Dumm jeborn und nüscht dazujelernt.« Die Äußerung »Dit is dumm«, meint, daß eine Sache unangenehm ist.
Dummerjahn Dummkopf.
Dummsdorf Bereits bei Glaßbrenner die bekannte Sentenz: »«Wir sind hier ooch nich aus Dummsdorf.«, wir sind nicht dumm.
dunnemals damals. »Von anno dunnemals.« Von nd. dunn = damals.
Dunnerwettsteen Bei Glaßbrenner als Ausruf des Erstaunens. Wie Ø Donnerlittchen.
dünne machen, sich sich verkrümeln, sich zurückziehen.
Dunst »Du hast ja keenen Dunst!«, du hast ja davon keine Ahnung.
Dunstkiepe im 19. Jh. für einen Herrenhut mit hohem Boden.
durchplumpsen durchfallen.
durchwachsen mittelmäßig. Krankenschwester: »Na, wie jehts denn heut?« - Patient: »Na, so durchwachsen.«
durchwutschen entwischen. Von umgs. durchwitchen.
durschten »Mir durschtet.« = Ich bin durstig.
Dusel Glück. »Mensch, da haste aber n Dusel jehabt.« Weiterentwicklung von nd. Dusel = Schlaf, Halbschlaf.
dusemang (frz. doucement) sacht, behutsam, leise, gesprochen mit stimmhaftem s und natürlich dem typisch berlinischen Nasal, der jedem Südfranzosen das Herz höher schlagen läßt.
Dussel (nordd.) dummer Mensch, Dummkopf. Ø Dusel. Adj. dusselig.
duster dunkel, finster. Trachsel schreibt 1873: »der dustere Keller, eine bekannte Kneipe am Fuße des Kreuzberges. In den Kunsthandlungen sah man vor einigen Jahren ein ganz schwarzes längliches Viereck, gedruckt auf weißem Papier mit der Inschrift: Berlin bei Nacht, vom dusteren Keller aus gesehen.«
Dutt (nd.) Haarknoten der Frauen, wird allgemein auch für Kopf gebraucht: »Der Ollen hätt ick am liebsten eens uffn Dutt jeknallt.« »Haut ihm eens uffn Dutt!«