» Berliner Wörter von A bis Z

 

 

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G

wird im Berlinischen als j gesprochen, u. z. in der Regel anlautend vor Vokalen (’ne jut jebrat’ne Jans is’ ’ne jute Jabe Jottes), insbesondere in der Vorsilbe ge-, sowie inlautend nach den Langvokalen e, i, ü, ö und seltener nach r.
GabiKo (ostberl.) ganz billiger Korn.
Galan (span. galan = Liebhaber, Verehrer) jemand, der vornehm tut. Auch allgemein für Freund einer Frau: »Dein Galan hat wieder anjeruf’n.«
Gang »Warum is dit wieder nich im Jange?«, warum funktioniert es nicht.
gar nichts »Ick sach janüscht.«, ich habe keine Meinung, ich übernehme keine Verantwortung.
Gardinenstange flachbrüstige Frau.
Gärtnerwurst grüne Gurke, die im Garten des Kleingärtners wächst.
gebacken »So wie wir jebacken sind.«, so wie wir gebaut, beschaffen sind.
geblaßmeiert angeschmiert.
gebont »Dit is jebont!«, abgemacht, wird erledigt. Hergenommen von Kassenbon.
Geborene »ne Jeborene von und zu« ist eine Adlige.
Gebratene Schrippe für Ø Bulette.
gebumfiedelt Wer sich geschmeichelt vorkommt, der fühlt sich »jebumfiedelt«.
Gedächtniswärmer Baskenmütze.
Gedrängte Wochenübersicht scherzhaft für Ø Bulette, weil - so die Annahme - Reste von Mittagsgerichten einer Woche verarbeitet werden.
gefällig drohend: »Da is wat jefällig!«, da passiert gleich etwas.
geforben gefärbt.
gefressen weder kulinarisch noch kannibalistisch gemeint, sondern wenn man von jemandem sagt: »Den hab ick jefressen!«, meint dies, daß man diese Person nicht ausstehen kann.
Gegend »’ne schöne Jejend is dit hier.« Gegend bezeichnet in diesem Falle unwirtliche Orte, Plätze etc. sowie Gegenden außerhalb Berlins. Die Redensart geht zurück auf Glaßbrenner. »Weit und breit nüscht wie Jejend!«, d. h. nur Landschaft.
Gegenteil wird als Verneinung gebraucht mit leicht ironischem Unterton. »Haste Hunger?« - »Janz im Jejenteil.«
gehörig stark, sehr. »Dit war ’ne janz jehör’je Portion Eisbeen.«
Geist »Du jehst ma uff’n Jeist!«, du gehst mir auf die Nerven. Ein geistiger Kleingärtner oder Kleinrentner ist geistig obdachlos, d. h. schlicht und einfach ein Dummkopf.
Geizhammel  geiziger Mensch.
Gelaber Geschwätz. Ø labern.
gelacht lachhaft. »Wär ja jelacht, wenn wa dit nich schaffen würden.«
gelackmeiert angeschmiert. Wenn jemand den Kürzeren zieht, ist er der Jelackmeierte. Aus lackieren im Sinne von »hereinlegen , betrügen« und meiern = foppen, täuschen.
geladen 1. »Der hat schwer jeladen heut.«, er hat viel Alkohol getrunken. 2. »Warum bist ’n so jeladen?«, so aggressiv, wütend.
gelernt »Jelernt is jelernt.«, d. h., man beherrscht eine Sache perfekt.
gelitten geläutet.
gelungen originell, merkwürdig.
gemacht »Is jemacht!«, wird erledigt.
gemischt ordinär, anstößig.
Gemüse, junges Kinder, junge Leute.
Gemüseathlet krasser Egoist.
Gemüte führen, sich etwas zu trinken.
Gemütsathlet herzloser Mensch, der ein Jemüt wie’n Schaukelpferd hat.
genau »Nüscht Jenauet is nich raus.«, etwas Genaues weiß man nicht.
genehmigen, sich einen trinken.
genormt latschen tanzen.
genügen »›Dit jenücht‹, sagt der Staatsanwalt.«, abschließende Kommentierung einer Handlung. Übernommen aus einer Gerichtsszene von Albert Hopf (1845).
gerammelt sehr, äußerst. »Die Küche war jerammelt voll.«
gerieben schlau, hinterlistig. »Dit is ’n janz jerieb’nes Bürschchen.«
geringst »Im jeringsten janich.«, nicht im geringsten. Ø auch gar nicht.
gerissen schlau.
geritzt »Is jeritzt!«, die Sache ist erledigt, in Ordnung.
Gesabber Geschwätz (von »Sabber« Speichel, nd. sabbeln). »Hör doch mal uff mit dem Jesabber.«
gescheit ordentlich, brauchbar. Beim Skat: »Jib ma mal jescheite Karten!«
geschenkt »Dit nehm ick nich jeschenkt!«, das nehme ich nicht. Verstärkung der Negation.
Geschichte 1. Umstände, 2. etwas Kompliziertes. »Wat hast’n?« - »So’ne Blinddarmjeschichte.«
Geschmadder unsaubere Schrift, Geschmiere.
geschmiert »Dit jeht ja wie jeschmiert.«, das geht hervorragend, läuft wie ein gut geschmiertes Wagenrad.
geschnitten »Da haste dich aber jeschnitten.«, verkalkuliert.
geschwollen jemand, der »jeschwollen daherredet«, redet mit Pathos oder bemüht sich um eine ›feine‹ Sprechweise.
Geseier (jidd. gesera = Bestimmung, Verordnung) Klagen, weinerliches Herumreden.
Gesichte »Mach nicht so’n Jesichte.«, schau nicht so mürrisch oder auch traurig drein.
Gesichtserker Nase.
Gesockse Schimpfwort für die Sachsen nach 1945. Von daher auch Sachsengesocks. Heute allgemein abwertende Bezeichnung für einzelne Gruppen von Menschen. Früher für arme Leute, Leute die keine Socken, kein Schuhwerk besaßen.
Gestell »Mensch, ist dit’n Jestell!«, ist das ein hagerer Mensch.
gestohlen »Der kann ma jestohl’n bleiben.«, sagt der Berliner über jemanden, der bleiben kann, wo der Pfeffer wächst.
gesund schlau, praktisch.
gesundstoßen, sich an etwas Wohlstand erlangen, Profite machen. Aufgekommen im 19. Jh. im Zusammenhang mit Aktienschiebereien.

 

gewaschen Eine »Ohrfeige, die sich jewaschen hat«, ist das Gegenteil eines zarten Klapses. Wer »mit allen Wassern jewasch’n is«, der ist raffiniert, geschickt, weiß überall Bescheid, so daß er überall durchkommt.
gewieft (mhd. wifen = schwingen) schlau, raffiniert.
Gewitterflinte Regenschirm.
Gewittertüte Regenkapuze.
Gewitterziege oder auch Gewitterzicke, Gewitterhexe Bezeichnung für eine zänkische, übel gelaunte oder auch meckernde Frau.
gewöhniglich gewöhnlich.
Gichtlatte dünne Person.
Gierschlund bezeichnet eine Person, die gierig das Essen herunterschlingt.
giften, sich sich ärgern.
Giftnudel im 19. Jh. für Zigarre, bezeichnet heute jemanden, der über andere schlecht spricht.
Gips »Jips jibt’s inne Jipsfabrik.« Ø auch g.
Gipsflügel gebrochener, eingegipster Arm.
Gipskopf beschränkter Mensch.
Glatzenschneider Friseur bzw. für neudeutsch Intercoiffeur.
glibberich glatt und wackelig wie Ø Wackelpeter. Von nordd. glippen = gleiten, unfest sein.
Glipperpudding Götterspeise. Ø glibberich
glitschen gleiten. Als Adjektiv glatt, schlüpfrig, bei Eis und Schnee.
glotzen große Augen machen. Aus dem Mhd. für schimmern, glänzen. Bereits bevor es die Glotze (= Fernseher) gab sind die Wörter Glotzpaule und Glotzooge belegt.
Glubsche (nd.) Brille. Im 19. Jh. ist glubschen für mürrisch, von unten aufwärts blicken belegt. Wer immer »gleich so glubsch ist«, der ist beleidigt.
gnatschig Ø gnietschig. Wahrscheinlich von umgs. gnatzen = mürrisch sein.
Gnatschke Italienischer Salat. Ø auch gnietschig.
gnatzen weinen, wimmern, verstimmt sein. Ein Gnatzkopp ist ein mürrischer Mensch.
gnauen im 19. Jh. wie Ø gnatzen.
gnedderig verdrießlich.
gnietschig im 19. Jh. geizig . Heute für mürrisch, meist in der Form gnatschig. Eine Gnietsche ist eine übellaunige, mißvergnügte Person ebenso wie Gnietschkatze oder Gnietschpeter.
gnurpsen ein knarrendes Geräusch von sich geben.
Gold-Else Figur auf der Siegessäule.
Gondel Kopf.
Göre Im Nd. seit dem 17. Jh. in der Beziehung auf Menschen nachweisbar. Wird gewöhnlich im Femininum gebraucht und steht im Singular eher für Mädchen, im Plural allgemein für Kinder, die unerzogen, frech sind. Vielleicht von mhd. gorec = gering, armselig.
Gott Obwohl viele Berliner nicht bibelfest sind, spielt der »liebe Gott« eine nicht unwesentliche Rolle: »Jehnse mit Jott, aber jehnse!« Die Äußerung »Jott, steh mir bei« drückt Verwunderung aus, während die indirekte Aufforderung »Mach da mit’n lieben Jott bekannt!« ein diskreter Hinweis auf das nahende Ende ist. Wer bei so viel Pietätlosigkeit ausruft: »Sie sind wohl janz von Jott verlassen!«, meint: Sie sind nicht recht bei Trost! Vielleicht tröstet ihn »dit reene Wort Jottes«, nämlich ein guter Schnaps.
gottsjämmerlich sehr schlecht. »Mir is jottsjämmerlich (Lautvariation zu kotzjämmerlich) zumute.«
gottvoll oder auch göttlich reizend. »Dit is ja ’ne jottvolle Story.«
Graf Koks (von der Gasanstalt) bezeichnet einen »feinen Ø Pinkel« ebenso wie die anderen Vertreter des Berliner Adels: Graf Rotz von der Popelsburg und Graf Kacke.
Granatenbutze Bezeichnung für Frau.
grapschen greifen. Vielleicht von poln. grabic = raffen, rauben.
Graul Grauen. »Ick krieg schon ’nen Graul, wenn ick dit nur sehe.« Sich graulen bedeutet sich fürchten, Angst haben.
Grieben sind nicht nur die gebräunten Fettrückstände beim Auslassen von Schweine- oder Gänseschmalz, sondern auch ein Ausschlag am Mund (Herpes), der in der Regel durch zu fettes Essen hervorgerufen wird. Von mhd. griebe = ausgelassener Fettwürfel.
Griepsch (mhd., obs.) Appelgriepsch = Kerngehäuse des Apfels.
Griffel Finger.
Grips (nordd.) Verstand. Von der Iterativform ›gripsen‹ für grippen = an sich raffen.
grölen (mnd. gralen lärmen) schreien, herumsingen. In einer Beschreibung Berlins aus dem Jahre 1792 steht, daß bei Hochzeiten die Kurrende »während dem Essen erscheint und einige bekannte Kirchengesänge hergrölet.«
Groschen (mhd. grosse = Dickpfennig, lat. grossus = dick) Zehnpfennigstück.
Großer Gelber Doppeldeckbus.
Großkotz (aus Klein-Pankow) Prahler, überheblicher Mensch. Auch adjektivisch: »So’n, großkotz’jer Typ!«
Großmutter »Dit kannste deine Großmutter erzähl’n, aber nich mir.«, das glaube ich nicht.
Großschnauze jemand, der die Schnauze weit aufreißt, der prahlt.
Grüneberger saurer Wein, ursprünglich der Wein aus Grünberg.
Grüne Minna Polizeiwagen.
Grütze (frühneuhd. Kritz) Verstand. »Der hat Grütze im Kopp!«
Gulli bzw. Gullpopo Gulasch.
Gully (engl.) 1. Kanalisationsdeckel und 2. Abwasserschacht. Auch allgemein für einen Abfluß.
Gummi Taxi. »Nehm’ wa uns ’n Gummi?«
Gummiadler (ostberl.) für Broiler, die Bezeichnung für Brathähnchen im DDR-Wortschatz. Bereits stud. in den 50er Jahren belegt.
Gummifinger (ostberl.) Bratwurst mit Kunstdarm.
Gummihacken für Ø Bulette. Ebenso Gummimuffe und Gummipuck.
Gummipuppe dickliches Mädchen, dicklicher Teeny.

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