Anfang >>> Hip oder Hop » Berliner Wörter von A bis Z
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M
M. oder auch Emm bzw. Emmchen, Mark.
Macher der Leiter. »Kollege Meier ist der Macher vont Janze.«
Macke (jidd. makko = Schlag, Stoß). Wer »ne Macke hat«, hat vielleicht einen Schlag gegen den Kopf erhalten und hat deshalb nicht alle Tassen im Schrank, sprich: er hat einen leichten Dachschaden. Ist an einer Sache »ne Macke dran«, so ist sie beschädigt.
Macker (jgdsprl.) Freund, irrer Typ. Vielleicht von ndl. makker = Genosse, Kamerad.
Madenkiste Sarg.
madig machen jemanden schlecht machen.
Mafiatorte Pizza.
Maikeber bezeichnet das Garde-Füsilierregiment in der Kaiserzeit, das alljährlich in der Maikäferzeit zu den Paraden nach Berlin kam.
Makulatur reden Klartext reden.
malle dumm. Aus dem Ndl. im 14. Jh. entlehnt.
mampfen 1. essen, 2. schwatzen.
Männe Abkürzung von Hermann, verallgemeinernd für Ehegatte.
Männeken kleiner, schwächlicher Mann. Leitet sich nicht ab - wie immer wieder behauptet - von frz. mannequin, der beweglichen Gliederpuppe des Schneiders, sondern ist eine Zusammensetzung von hd. Mann und dem nd. Diminutivsuffix -ken (hd. -chen), also »Männchen«.
mang (nd. mank) dazwischen, zwischen, darunter. Etwas »mang de Huddern haben«, in den Händen haben. Als Kritik an Personen, die aus einem bestimmten Bereich ausgegrenzt werden sollen: »Mang uns mang is eener mang, der nich mang uns mang jehört.«
manoli verdreht, verrückt. Geht zurück auf die Lichtreklame der Firma Manoli, Ende des 19. Jh.s, wo sich in einem Lichtkreis eine schwarze Kugel ständig drehte. Der Effekt des sich ständig drehenden Lichtes zu der damaligen Zeit machte die Leute verrückt, vergleichbar heute der Wirkungs des Stroboskops. Wer völlig verrückt ist, der ist manoli linksherum. Die vorgetäuschte Kreisbewegung der Lichtreklame lief entgegen dem Uhrzeigersinn.
man(t)schen mischen, feuchte, flüssige oder halbflüssige Stoffe mit den Händen durchwühlen. Mutter zu ihrem Kind: »Mensch, mansch nich so in deinem Essen rum, sondern iß lieber.«
Manschetten haben Furcht, Angst haben. Mit Bezug auf Manschetten = Handschellen, eigentlich die Handüberschläge am Hemdsärmel.
Marie Geld. »Die Marie springen lassen.«, bezahlen, spendieren. Geht zurück auf den Maria-Theresien-Taler.
Mark »Dit jeht ma durch Mark und Pfennje.«, durch Mark und Bein. »ne Mark abdrücken«, bezahlen. »Ick hab keene müde Mark mehr.«, ich bin pleite.
markieren (frz. marquer) vortäuschen. Wer »nen Dusslijen markiert«, stellt sich dumm.
Marks Knochenmark.
maschucke verrückt. Ø meschugge.
Masse Menge. »Dit is ne janze Masse Bier.«
Massel (hebr. masel = Schicksal, Glücksstern) Glück. »Da haste aber wirklich Massel jehabt!«
Matratze »anne Matratze horchen«, schlafen. Ein Matratzenhorcher ist ein Langschläfer, Matratzenkino bezeichnet den Fernseher.
Matsch (nordd. und md.) Schmutz, insbesondere Schneematsch, wenn der in den Straßen liegende Schnee chamäleonartig seine Farbe von weiß auf schwarz gewechselt hat. Wer »Matsch am Paddel hat«, der »hat n Ding am Kopp«.
Matte 1. lange Haare bei Männern und 2. Teppich. »auf der Matte stehen«, da sein. »Um 5 Uhr steh ick uff der Matte!« Vielleicht abgeleitet von der Matte des Boxrings: Wer »auf der Matte steht«, ist da und hängt nicht in den Seilen.
Matz (Kurzform von Matthias) im 19. Jh. für untauglicher Mensch, heute für einen unbedeutenden Menschen sowie für ein kleines Kind. Eine Matzble(e)ke ist ein Trottel.
mau (nordd.) unwohl, schwach, wenig. »Dit war ja n bißchen mau, dein Referat.«
Mauke (slaw.) 1. Fuß. Nach dem Fußballspiel oder wenn man allgemein viel gelaufen ist, kommt es vor, daß man dicke Mauken hat. 2. übelriechende Füße = Käsemauken. 3. große Schuhe und 4. Ball mit geringem Luftdruck.
mauscheln (rotw.) heimlich betrügen.
Mäuse Geld.
Mäusebraten Kartoffeln mit Speck.
Mäuse melken »Dit is ja zum Mäusemelken.«, zum Verzweifeln.
mausetot völlig tot. Leitet sich nicht aus dem Frz. mot aussi tôt bzw. mort si tôt = sogleich tot) ab, sondern aus dem Nd. mu(r)sdod.
mausig wer »sich mausig macht«, der tut sich wichtig, erlangt Bedeutung.
meckern nörgeln. Ein Ø Nörgelfritze ist ein Meckerkopp, eine Ø Nörgeltante eine Meckerziege. Iterativ zu schallnachahmendem meckern = wie eine Ziege schreien.
mehrére mehrere.
Meile »Dit riecht man zehn Meilen jejen n Wind.«, da stimmt etwas nicht.
Meiran Majoran.
Meise haben einen Vogel haben, verrückt sein, rumspinnen. »Der hat ne volle Meise.« Umgs. von Berlin ausgegangen.
melanklöterich wehmütig. Zusammengesetzt aus melancholisch und nordd. klöterig = schlecht, schwächlich und mit Bezug auf frz. mélancolique.
melden »Meier hat zuhause nüscht zu melden.«, nichts zu sagen.
Memme Feigling. Von mhd. memme, mamme = Mutterbrust.
Menkenke auch Menkenken 1. Geschrei, Umstände und 2. Blödsinn, Quatsch. Lautspielerische Substantivierung von mengen.
Merkwürden Hochwürden. Als ironische Anrede: »Na, Euer Merkwürden, wie jehts?«
Merkwürdiges Viertel Märkisches Viertel, Neubaukomplex im Norden Berlins.meschugge (jidd. meschuggo) verrückt, irre. »Dein Jequatsche macht ma janz meschugge.«
Meter Mark (Geld).
Meucheleisen Dolch.
mickrig (germ. muk = weich, gedrückt) klein und schwächlich, kränkelnd. In einem Gedicht von Bornemann heißt es 1816: »De Fru was klein und mückerig, dät Fleeschwerk drückte just är nicht.«
Mief schlechte Luft. Ein Miefquirl ist ein Ventilator oder eine einen üblen Geruch verbreitende Person.
Mieke Schwester.
mies (jidd. mis(er) = widerlich) schlecht, übel, widerlich. Ein Miesepeter ist ein ewig nörgelnder Mensch, ein Miesmacher ein Schwarzseher.
Milchreisbubi kindlich aussehender Mann.
Minna 1. Freundin, Frau. 2. Geschirrspülmaschine. Jemanden zur »Minna machen«, bedeutet ihn beschimpfen, fertig machen. Die Grüne Minna bezeichnet einen Polizeiwagen. Als Ausruf der Verwunderung: »Ach du dicke Minna!«
Mirabellenetui Büstenhalter.
Mischpoke (jidd. mischpocho = Stamm, Sippe, Familie) Verwandtschaft, Anhang mit leicht negativer Konnotation: »Jestern war schon wieder die janze Mischpoke da.«
Mist ist ein produktives Element in vielen Komposita. Eine Mistbiene ist ein Schimpfwort auf eine Frau, ein Mistkäfer auf einen Mann, Mistbolzen wird auf beiderlei Geschlecht angewendet. Eine Mistgondel bezeichnet einen Kinderwagen, eine Misttöle einen Hund. Die Mistjauche ist entstanden aus obs. Mistgauche = flüssiger Stalldünger und gleichbedeutend sorb. jucha. All diese Schimpfwörter »sind uffn Mist der Berliner jewachsen«, d.h. sind ihre Erfindung.
Miß Tiefjekühlt, Miß Wackelarsch Ehrentitel der Berliner für ihre Schönheitskönigin.
mitkriegen verstehen.
mittenmang dazwischen, drinnen, mittendrin. Ø mang.
Mitternachtsvase Nachttopf.
Mittlerer Koofmich Normalbürger. Ø auch Koofmich.
mohndoof besonders Ø doof. Geht darauf zurück, daß im früheren Pommern und Ostpreußen den Kleinkindern zur Beruhigung in Leinen eingewickelter Mohn gegeben wurde, und da Mohn bekanntlich doof macht, war die Neuschöfung geboren.
Molle (nd. Mulde, Backtrog) Glas Bier. Ein Mollenfriedhof ist ein dicker Bauch, eine Mollekühle eine kühle Molle. Eine Molle mit Kompott ist ein Glas Bier und ein Kurzer.
Molleken-Doof dümmliches Kind. Aus Ø mollig und -ken und Ø doof.
mollig 1. warm, bequem und 2. warm.
Molly, gehackter für Ø Bulette.
molum betrunken.
Mont(e) Klamotte Spitzname für den aus Steintrümmern aufgeschütteten Insulaner in Berlin-Schöneberg. Auch allgemein für eine Städtische Müllkippe.
Moos (jidd.) Geld.
Mop(p) 1. Perücke. 2. lange Haartracht.
Moppel 1. Rollmops und 2. kleiner Hund. Moppelkotze bezeichnet hingegen Italienischen Salat.
Mopse im 19. Jh. für Geld. Als Verb mopsen = stehlen.
Motte »ne kesse Motte« bezeichnet einen schlagfertigen Teenie. Wer »bis in die Motten pennt«, der schläft ziemlich lange und frönt nicht dem Spruch »Morgenstund hat Gold im Mund.«
Mottenfiffi Perücke.
Mottenpost Berliner Morgenpost (Tageszeitung).
Mücke »ne Mücke machen«, weglaufen; »Mücken locker machen«, bezahlen.
Muckefuck Ersatzkaffee, verallgemeinernd auch Ø Blümchenkaffee. Der Muckefuck wurde angeblich von den Hugenotten kreiert. Als Friedrich II. den Kaffeezoll drastisch erhöhte, halfen die französichen Gärtner den Berlinern aus der Ø Bredullje: Aus den gerösteten Wurzeln der Zichorie verliehen sie dem verdünnten Kaffee eine tiefschwarze Farbe. Von daher ergibt sich die üblicherweise angegebene Ableitung aus frz. mocca faux = falscher Mokka. Es handelt sich indes um eine Zusammensetzung aus Mucken = brauner Holzmulm und fuck = faul, gleichbedeutend mit rheinisch Muckenfuck.
Muckepicke Motorrad, wie Ø Nuckelpinne.
mucksen mucken. Mnd. Intensivbildung »den Mund kaum auftun und halblaut murmeln«. »Mucks da nich!«, sei ruhig.
mudicke angefault. Von nd. muddig = faulig riechend.
Müllkutenindianer Angestellter bei der Müllabfuhr.
Mürbchen besonders zarter Fleischspieß.
Muffensausen wer »Muffensausen hat«, der hat Angst.
muffig oder mufflig mürrisch, maulfaul.
mulmig unbehaglich, bedenklich. Abgeleitet von Mulm = morsches, faulendes Holz.
Mumm Mut. Vielleicht von lat. animum, Akkusativ von animus = Geist, Seele, verkürzt oder rotw. Mumm = geistiges, körperliches Vermögen.
Mumpitz Unsinn. Von Mumme = Maske und Butze = Vogelscheuche, Schreckgestalt.
murklig unansehnlich, klein. Murke = Krume.
Murks schlechte Arbeit. »Der hat wieder Murks verzappt.« Als Verb im 19. Jh. für in Unordnung bringen, heute abmurksen für töten.
Murmeln im 19. Jh. für Geld.
Musspritze Regenschirm.
Mustopp Marmeladentopf. Im Jahre 1872 als Schülerjargon vermerkt im Hinblick auf einen Schüler, der eine dumme, gedankenlose Antwort gibt. Heute allgemein für jemanden, der etwas reichlich spät begreift: »Du kommst wohl ausm Mustopp.«
mutterseelenallein völlig allein, vielleicht abgeleitet von frz. moi tout seul = ich ganz allein oder zusammengesetzt aus Mutterseele = Mutter und mutterallein = ganz allein