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» Berliner Wörter von A bis Z

 

 

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R

Rabatz   Krach, Unruhe. Als Verb rabatzen = herumtoben, Unruhe stiften. Vielleicht von poln. rabac = hauen.
Rabauke frecher Junge. Entlehnt auch nl. rabauw = Schurke, Strolch, zusätzlich der nd. Endung -ken.
Rabenaas Steigerung zu Ø  Aas, das dem Raben als Futter dient. Schimpfwort seit dem 17. Jh.
Rachenputzer scharfes Getränk.
Racker Schelm, verschmitzte Person. Kind, das gern Schabernack treibt. Gehört zu mnd. racken = den Unflat zusammenfegen. Bereits im Mnd. wird das Substantiv als Schimpfwort benutzt. Geht in der 2. Hälfte des 18. Jhs. in die Literatursprache über und wird nunmehr in abgeschwächter Bedeutung auf Kinder angewandt.
Ra»Der hat’n Rad ab.«, der spinnt.
Radau Lärm.
Radaubruder oder Radautüte Streit suchende Person.
raffitückisch besonders raffiniert. Veschmelzung aus ›raffiniert‹ und ›(heim)tückisch‹.
Raffke oder auch Raffzahn Neureicher, jemand, der in kurzer Zeit viel Geld zusammengerafft hat. In Berlin um 1920, vielleicht bereits in der Gründerzeit, gebildete Bezeichnung, die auf mhd. raffen = zupfen, eilig an sich reißen (und nd. -ken) zurückgeht.
rahmig betrunken. Man denke an »aus den Rahmen fallen«.
Rahmkater schmutzige Person.
Ralle Bruder oder Schwester.
rammdösig wie Ø  dösig mit der Verstärkung ramm, eigentlich »Widder«, später »Raubzug«. Vielleicht mit Bezug auf die Vorstellung, daß Schafe lange Zeit reglos dastehen und »vor sich hindösen«.
Rammröhre im 19. Jh. für Zylinderhut.
ramponieren beschädigen.
Rand »Halt den Rand!«, halt den Mund!
Randalle Lärm. Jgdsprl. »Randale machen«, Zoff anfangen. Stud. zusammengezogen aus Rant, Rand = lärmender Spaß und Skandal.
Range ungebändiges, freches, unerzogenes Kind. Im Frühneuhd. bezeichnet R. eine Sau, ein Mutterschwein. Seit Ende des 15. Jhs. als Schimpfwort, später abgeschwächt.
rangehen »Da jeh ick nich ran!«, da traue ich mich nicht ran. Wer »janz schön ranjeht«, der nähert sich stürmisch einer Frau.
ranklotzen forsch Ø  rangehen, intensiv arbeiten.
rantzen schnell und wild tanzen.
Rasselbande Kinder.
Ratten (ostberl.) Bezeichnung für die als besonders brutal geltenden Schlägertrupps unter den Anhängern des BFC.
Rauchschwalbe schmutzige Person.
ratzekahl entweder von frz. radical oder von »kahl wie ne geborene Ratte«. Etwas »ratzekahl aufessen«, wie von Ratten mit Stumpf und Stil auffressen. David Kalisch schreibt in der Berliner Posse »Einhunderttausend Taler« (1849) : »Sagt der Berliner Zwickauer zu seinem Kollegen: ›Andere Leute flanieren hin und
her, des Morgens sind se konservativ, des Mittags sind se liberal und des Abends sind se ratzekahl!‹«
Raupen »Raupen im Kopp haben«, sonderbare Einfälle haben. Aus der Studentensprache des 18. Jhs.
Raupensammlung Sammlung. »Die Briefmarke fehlt ma noch in meiner Raupensammlung.«
rausmachen, sich größer, schöner, stattlicher werden. »Der Kleene hat sich janz schön rausjemacht.«
rausreißen »Dit reiß mich ooch nich mehr raus.«, das hilft, nützt mir auch nichts mehr.
Reff »’n ollet Reff«, ist ein altes Weib. Fußt auf nd. rif = Kadaver.
Regenschirm »Ick bin jespannt wie’n Rejenschirm.«, also äußerst gespannt.
Register »sie sind ja ooch schon ’n ollet Rejister.«, nicht mehr jung.
Reibach (jidd. rewach = Zins) Gewinn.
rein in der Grundbedeutung von ›herein, hinein‹ wird im Berlinischen rin gesprochen. »Immer rin in’t Vergnügen.«
reinbuttern in etwas Geld hineinstecken.
reinknien sich in eine Sache vertiefen.
reinriechen sich oberflächlich bzw. nur kurz informieren.
reinschliddern in eine Sache reinrasseln, hereinfallen. Fußt auf nd. schliddern = auf Schnee und Eis dahinrutschen.
reinschmoken jem. eine Ohrfeige verpassen.

 

reinwürgen »Wenn de so weitermachst, kriste eene rinjewürgt.«, erhälst du einen Verweis, einen Tadel.
Reitstall sehr großes Zimmer.
remmeln im 19. Jh. allgemein für einrammen, heute mit deutlicher Anspielung auf den Geschlechtsakt (= rammeln).
Remmidemmi lautes Vergnügen, Krach, Durcheinander. »Mach nicht so’n Remmidemmi!« Fußt wahrscheinlich auf der schallnachahmenden Bezeichnung ›Rammerdammer‹ für den Steinmetz.
rendlich reinlich.
Renne 1. Rinnstein, 2. Dachrinne.
Rennsemmeln Hausschuhe.
Rentnerkarren auch Rentnerporsche Einkaufswagen, der aus einem fahrbaren Gestell und einer Tasche besteht. Ø  auch AOK-Chopper.
Resedatopf im 19. Jh. für Zylinderhut.
Retourkutsche Erwidern eines Vorwurfs. »Dit war ’ne Retourkutsche.«, eine schlagfertige Antwort. Leitet sich ab von der für die Hin- und Rückfahrt benutzten Kutsche.
riechen wenn man etwas merkt, »riecht man den Braten«, wen man indes »nich riechen kann«, den kann man nicht leiden. Dies wäre allerdings kein Grund, zu ihm zu sagen: »Riech ma an meine Knospe!« und ihm gleichzeitig die Faust unter die Nase zu halten.
Riecher Geruchssinn. Wer »den richt’jen Riecher hat«, der hat das richtige Gefühl für eine günstige Gelegenheit gehabt.
Riechkolben auch Riechzinken (große) Nase.
Riegelotto Rigoletto.
Rieke 1. Freundin und 2. Kosename für Fredericke und Ulrike.
Ringelpietz mit Anfassen Tanzvergnügen. Aus ringeln und slaw. -pie(t)z = singen.
riskieren im 19. Jh. für trinken, heute »’ne Lippe riskieren«, frech, unverschämt sein.
rocken (jgdsprl., engl. Rock’n Roll) tanzen.
Rockerwiege Motorrad.
Rohr Flasche. »mit vollem Rohr« etwas tun, es mit aller Kraft tun.
Röhre 1. Wärmstelle im Kachelofen und 2. Fernseher. Wer »einen Braten inna Röhre hat«, bekommt ein Kind.
Rohrspatz 
»Er schimpft wie’n Rohrspatz.«
Rolle jemanden »durch de Rolle dreh’n«, in die Mangel nehmen. »von der Rolle sein«, fertig, kaputt sein; jemanden »auf die Rolle schieben«, ihn verulken, zum Narren halten.
rote Socke (ostberl.) spöttisch für Funktionär.
Rotunde Bedürfnisanstalt. Wegen der Form auch Café Karo.
Rotz (ahd. (h)roz = Nasenschleim) taucht in vielen Schimpfwörtern auf: Rotzgöre ist ein freches Kind, Graf Rotz usw. Eine Rotzbremse ist ein Schnurrbart, ein Rotzhobel eine Mundharmonika, ein Rotzkocher eine Pfeife. Eine Rotzneese ist eine triefende Nase und bezeichnet auch ein Kind mit einer Schnoddernase. Wer sich rotzig verhält, ist frech bzw. unverschämt.
rubbeln stark reiben. Von nd. Rubbel = Waschbrett.
Rübe 1. Nase, Kopf und 2. Bruder. Eine rote Rübe meint nicht nur eine rote Nase, sondern auch eine Ø  rote Socke.
Rülps König beim Kartenspiel.
rujenieren ruinieren.
rumboddern in aufgeweichtem Boden gehen. Ø  botten.
rumflippen (jgdsprl.) ausgelassen sein, mal hier mal dort sein.
rumfuchteln mit einem Stock herumschwingen.
rumfuhrwerken »Mußte ma da immer rumfuhrwerken!«, da reinfummeln, mich dabei stören.
rumfummeln herumfingern.
rumhacken »auf jemanden rumhacken«, ihn fortwährend tadeln.
rumhampeln 1. sich ungebärdig bewegen und 2. tanzen. Beeinflußt von Hampelmann.
rumkrebsen Ø  krebsen.
rumschweigen herumsprechen. »Dit hat sich schon rumjeschwiegen.«
Rummel allgemein spöttisch für eine Festlichkeit.
Runzelzulage Gehaltserhöhung der Beamten.
ruppig barsch, schroff.
Rutsche kleine Fußbank.

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